Via ddp kam gestern die Nachricht, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit Blick auf die wachsende Zahl von Raubkopien elektronischer Bücher vor «rechtsfreien Räumen im Internet» warnt. Dies sei ein «unerträglicher Zustand», klagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, am Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse.
Nach der Musik sei jetzt auch zunehmend die Literatur von Piraterie im Netz betroffen. Mit der wachsenden Nachfrage nach E-Books werde die Zahl der Raubkopien noch steigen, befürchtete er. Deshalb gehe die deutsche Buchbranche in die Offensive und biete ab sofort über eine eigene Buchplattform digitale Bücher zum Kauf an. Darüber seien bereits jetzt mehr als tausend Verlage mit bald 100.000 Titeln verfügbar. Täglich wachse das Angebot dieser digitalen Bibliothek, wo überwiegend Gegenwarts- und Fachliteratur gekauft werden könne.
«Das zeichnet uns im Vergleich zur Musikindustrie aus, die das zunächst nicht hatte und die Nutzer in die Illegalität getrieben hat», erklärte Skipis. Durch den Vormarsch digitaler Literatur stehe die gesamte Buchbranche vor einem entscheidenden Umbruch und einer großen Herausforderung, der sie sich mit der Plattform «libreka!» stelle. Skipis kündigte zugleich an, illegale E-Book-Downloader im Internet künftig konsequent rechtlich zu verfolgen. Dazu müsse der Börsenverein seinen Auskunftsanspruch über illegale Downloader im Internet nutzen.
«Ein Warnverfahren, das Rechtsverletzer aufklärt und abschreckt, bevor es zu einer gerichtlichen Abmahnung kommt, wäre uns weitaus lieber», betonte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Dafür mangele es jedoch an der Kooperationsbereitschaft der Internet-Provider. Skipis warf der Bundesregierung in diesem Zusammenhang Untätigkeit vor, weil sie sich bisher noch nicht darauf verständigen konnte, die betreffenden Internet-Provider mit einer Kooperationsaufforderung zum Handeln zu bewegen.